Prag, die Hauptstadt Böhmens, war um 1900 durchaus nicht das gemütliche k.u.k.-Reservat, das sich heutige Tourist*innen gerne vorstellen. Die Stadt war geprägt von sich zuspitzenden nationalen Gegensätzen, was vor allem die jüdische Bevölkerung in eine prekäre Lage versetzte. Aber auch das Tempo, mit dem eine Vielzahl technischer Innovationen innerhalb weniger Jahre durchgesetzt wurde, ließ bei vielen Bewohner*innen das Gefühl aufkommen, am Ende einer Epoche zu stehen. Sehr genau registrierte Kafka die unheimliche Faszination dieser Herausforderung: Telefone, Diktiergeräte, nächtlich beleuchtete Straßen, elektrische Trams und nicht zuletzt Kinos veränderten auch seinen Alltag.
Reiner Stach schrieb eine dreibändige Kafka-Biografie, für deren 3. Teil er mit dem Sonderpreis zum Heimito-von-Doderer-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Zudem erhielt er 2016 den Joseph-Breitbach-Preis für sein Gesamtwerk.
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